Zeugen des Bergbaues - Feuerhof Stadtteil von Sulzbach-Rosenberg

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Zeugen des Bergbaues

Geschichte des Bergbaues in Sulzbach-Rosenberg
von Helmut Heinl

Ab wann um Sulzbach und Rosenberg Bergbau betrieben wurde, wird im Dunkel der Geschichte verborgen bleiben, obwohl nur wenig andere Regionen in Deutschland so stark vom Rohstoff Eisen geprägt sind, wie die westliche Oberpfalz. Die Eisengewinnung begann in Zeiten aus denen es keine schriftlichen Überlieferungen gibt. Es ist als sicher anzunehmen, dass schon lange vor unserer Zeitrechnung oberflächlich liegende Erze (Bohnerze) gewonnen und verarbeitet wurden. Denn Eisen war ver-mutlich seit ca. 1.000 v. Chr. das Metall der Zukunft, weil es viel härter war als die bis dahin bekannte Bronze und für Werkzeuge, vor allem aber für Waffen ideale Eigenschaften hatte. Außerdem konnte Eisen fast überall gewonnen werden konnte, wo es vorlag (wenn man die Verarbeitung beherrschte).

Archäologische Befunde zeigen, dass Erze bereits von den Kelten der frühen Eisenzeit (Hallstattzeit 800 v. Chr. bis ca. 450 v. Chr.) abgebaut und verhüttet wurden. Für die westliche und mittlere Oberpfalz belegen Befunde der Eisenerzgewinnung spätestens ab dem ausgehenden  7. Jahrhundert n. Chr. Hinweise auf Rennfeuerverhütung im Raum Amberg stammen aus einem frühkeltischen Grabhügel (8./7. Jahrhun-dert v. Chr.) am Spitalgraben in Amberg. veröffentlicht in „Erz – Feuer – Eisen. Eine kleine Geschichte des frühen Montanwesens in der mittleren Oberpfalz“ von Dr. Mathias Hensch

Archäologische Grabungen im Raum Amberg – Sulzbach (1986 - 2018 durch Dr. Hentsch), fördern zunehmend Beweise wie Schlacken, Zunderreste und Rennöfen zu Tage, die zeigen, dass in der nördlichen Oberpfalz die Eisenverarbeitung mindestens schon um 800 n. Chr. einen hohen technischen Stand hatte. Im Bereich des Sulzbacher Schlossberges ist eine Besiedlung seit dem 8. Jahrhundert nachgewiesen. Dabei wurde auch der derzeit älteste Gusseisen-Barren (11. Jhdt.) auf Sulzbacher Bo-den gefunden.

Die Eisenvorkommen und die günstige Verkehrslage der Ansiedlung auf dem kaum einnehmbaren Felsensporn über den Bachauen waren wohl der Grund für die Entstehung des bedeutenden Herrschaftszentrums auf dem Nordgau.  

Im 13. Jahrhundert tauchen in bayerischen Salbüchern die ersten Schriftstücke auf, die indirekt auf Eisenerzeugung hinweisen (für Auerbach um 1275 und 1326). Der erste Urkundsbeweis auf den Bergbau in der Region Amberg-Sulzbach ist das herzogliche Urbar von 1285, in dem der Amberger Bergbau erwähnt wird. Bergbau wur-de damals sicher auch in Sulzbach betrieben. Außerdem dürften viele weitere kleine Abbauorte vorhanden gewesen sein, die über den ganzen Raum um Amberg-Sulzbach verteilt waren
Im 14. Jahrhundert ist bereits eine Blüte des Erzbergbaus vorhanden. Unter Kaiser Karl IV (* 14.5.1316, † 29.11.1378) wurde Sulzbach als Zentrum der Montanindustrie durch Bergbau- und Zollprivilegien außerordentlich gefördert. An ihn erinnert eine Figur am südöstlichen Strebepfeiler der Sulzbacher Stadtpfarrkirche, die auf das his-torische Rathaus blickt, ein Bau der den Reichtum der Stadt im Spätmittelalter zeigt.

Die Erzvorkommen von Auerbach über Sulzbach nach  Amberg, der damals noch vorhandene Holzreichtum und die an vielen Orten nutzbare Wasserkraft für die Schmiedehämmer waren die wesentlichen Faktoren für das Wachstum der vorindustriellen Eisenverarbeitung in der Oberpfalz. Deshalb gab es bei der Verhüttung damals keine ausgesprochene Vorrangstellung eines bestimmten Gebietes oder einer Stadt. Die Hütten(industrie) erhielt ihre Erze aus örtlichen, zumeist kleineren, oberflächennahen Vorkommen. Das Erz wurde in der Nähe der Gruben  geschmolzen und dann in Hammerwerken weiter verarbeitet. Denn das war die auf die Schmelzfeuer folgende moderne Form der Eisenverarbeitung.
Die Urkunde über die erste Hammereinigung aus dem Jahre 1341 beweist, dass zu dieser Zeit bereits eine ausgeprägte Bergbau- Verhüttungs- u. Vermarktungsorganisation vorhanden war, zu deren Entwicklung es Jahrhunderte bedurfte. Denn ein solches Vertragswerk setzt natürlich das Vorhandensein vieler Hammerwerke voraus, und es ist anzunehmen, dass die meisten beteiligten Werke technisch auf dem gleichen Stand waren, damit sie als Vertragspartner anerkannt wurden. In der großen Hammereinung von 1387, sie begrenzt u. a. Kapazitäten und Lohnkosten, verdeutlicht sich die monopolartige Stellung der Bergstädte Sulzbach und Amberg.
Im Gegensatz zum benachbarten Amberg lag die Zuständigkeit im Bergbau und der Verhüttung in Sulzbach in den Händen der Stadt und nicht in denen des Landesherrn. Nur wer Bürger der Stadt Sulzbach war, durfte Erz abbauen und verhütten, vom Eichelberg, südlich von Rosenberg bis nach Großenfalz.
Es ist also nicht übertrieben, die Oberpfalz als Industrieland des Mittelalters zu bezeichnen, dessen Bedeutung bis zum Beginn des dreißigjährigen Krieges anhielt, ja sich sogar noch steigerte. Vom Erz lebten nicht nur die Berg- und Hüttenleute son-dern auch Köhler, Fuhrleute, Handwerker und Landwirte.

Mit dem Dreißigjährigen Krieg war Schluss damit

Lange glaubte man, die Kriegswirren und die nachfolgenden Seuchen vernichteten die Eisenindustrie in der Oberpfalz so umfassend, dass sie erst mit dem Vordringen der Eisenbahn um 1850 und dem damit zusammenhängenden Eisenbedarf wieder richtig in Gang kam. Das mag teilweise richtig sein, inzwischen gibt es aber Erkenntnisse, dass die Eisenindustrie vor allem durch Intrigen und Misswirtschaft der Kommunen verursacht war. Denn bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts kam der Sulzbacher Bergbau fast ganz zum Erliegen.

Die zweite Blütezeit von Bergbau und Verhüttung war durch mehrere Faktoren bestimmt: Die Begründung der Bayer. Staatsbahnen, die Gründung der Eisenwerksgesellschaft Maximilianshütte am 26.09.1853 und der Erwerb der Sulzbacher Gruben 1859 durch die Maxhütte. Mit der Verlagerung der Maxhütte nach Rosenberg in 1863 und die Entdeckung neuer großer Erzvorkommen in Auerbach,  Sulzbach und Rosenberg war die Zukunft gesichert. Neue technische Möglichkeiten ließen eine bes-sere Wasserhaltung und damit tiefere Schächte zu.

Ab den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts und spätestens mit dem Beginn der weltweiten Stahlkrise wurde die Erzgewinnung durch billige Importerze und gestiegene Förderkosten immer unwirtschaftlicher. Das Grubensterben in unserem Raum begann mit der Schließung des Annaschachtes am 31.7.1974. Bis dahin waren in Sulzbach über 20 Millionen Tonnen Eisenerz abgebaut worden. Die in Sulzbach geförderten Eisenerze wurden, zusammen mit den Erzen aus dem benachbarten Auerbach, ausschließlich in den 6 Hochhöfen der Maxhütte als Roherz eingesetzt und somit unaufbereitet zu Roheisen verschmolzen.

In der Blütezeit der Maxhütte von xx bis xx waren in den Sulzbacher und Auerbacher Gruben xx Bergleute beschäftigt. Mit 9371 Mitarbeitern erreichte die Maxhütte
1965 als größter Arbeitgeber der Region ihren höchsten Personalstand..

Mit dem Ende der Förderung aus der letzten Grube am Eichelberg im März 1977 endete die weit mehr als zweitausendjährige Bergbautradition unserer Stadt.

Die Spuren dieses mehr als zweitausend Jahre alten Erwerbszweigs sind verschwunden. Die Wunden, die er in die Landschaft riss zugewachsen und nur mehr für Fachleute erkennbar, als Spalten am Südhang des Galgenberges und Etzmanns-berges oder kleine Weiher am Fuß des Etzmannsberges. Das letzte, für jedermann sichtbare Relikt dieser Tradition ist der Förderturm des Annaschachtes, unterhalb des Annaberges. Auch die Erzwagen vor dem Literaturarchiv oder der Kapelle an der einstigen Bergmannssiedlung  Feuerhof ziehen immer wieder die Blicke auf sich.

Weitere Erinnerungsstücke aus jener großen Zeit sind durch engagierte Bürger unserer Stadt im Lauf der Jahre hinzugekommen. Im Gelände der Villa des einstigen Maxhüttendirektors Fromm errichteten ehemalige Bergleute des Bergknappenvereins, zusammen mit der historischen Gruppe Stiber-Fähnlein, in einem früheren Luftschutzkeller einen Schaustollen, fachmännisch ausgebaut im Deutschen Türstock, wie er einst auch in den Sulzbacher Eisenerzgruben üblich war. Das jährlich am letzten Wochenende im Mai hier stattfindende Stollenfest ist ein beliebter Anziehungspunkt für jung und alt.
Bergknappen und die „Stiber“ haben auch  die zwei Bergbau-Pfade entwickelt und beschildert. Beide nehmen am Annaberg-Parkplatz ihren Anfang und führen dann durch Gebiete, in denen früher Fördertürme und Wetterschächte aufragten.

Wahrer der bergmännischen Tradition ist seit 1887 der Bergknappenverein Sulzbach.
Er ist verpflichtet, die Jahrtausende alte Tradition zu wahren – für spätere Generationen, die das Leben und die Arbeit unter Tage nur mehr vom Erzählen kennen lernen werden. Denn Bergknappen und die Bergknappenkapelle gehören mit ihrer schwarzen Tracht seit jeher untrennbar zum Stadtbild und zu allen Festen.

Die Politiker und die Verantwortlichen der Stadt sind aufgerufen, die Wahrzeichen des Bergbaus, der Sulzbach und Rosenberg über Jahrhunderte ernährt hat, vor dem Verfall zu bewahren und für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

Bei Wanderungen auf den Spuren des Eisenerzbergbaus (Bergbaupfad), im Stadtmuseum und im Schau-Stollen der „Villa Max“, oder durch einen außergewöhnlichen Rundblick vom Rosenberger Kriegerdenkmal auf die Anlagen der bis 2002 produzierenden Maxhütte lässt sich die Entwicklung der Region vom „Ruhrgebiet des Mittelalters“ bis zur Stahlerzeugung im 20. Jahrhundert noch erleben. Der südlich des Werkes gelegene Schlackenberg wurde wegen seiner Belastung für die Umwelt bis 2014 saniert und kann besichtigt werden. Das einstige Hüttenwerk darf nicht betreten werden.


Helmut Heinl 27.3.2019

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