Zeugen des Bergbaues - Feuerhof Stadtteil von Sulzbach-Rosenberg

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Zeugen des Bergbaues

Kurze Geschichte des Bergbaues in Sulzbach-Rosenberg
von Helmut Heinl



Ab wann um Sulzbach und Rosenberg Bergbau betrieben wurde, wird im Dunkel der Geschichte verborgen bleiben, obwohl nur wenig andere Regionen in Deutschland so stark vom Rohstoff Eisen geprägt sind, wie die westliche Oberpfalz. Die Eisengewinnung begann in Zeiten aus denen es keine schriftlichen Überlieferungen gibt. Es ist als sicher anzunehmen, dass schon lange vor unserer Zeitrechnung oberflächlich liegende Erze (Bohnerze) gewonnen und verarbeitet wurden. Denn Eisen war vermutlich seit ca. 1.000 v. Chr. das Metall der Zukunft, weil es viel härter war als die bis dahin bekannte Bronze und für Werkzeuge, vor allem aber für Waffen ideale Eigenschaften hatte. Außerdem konnte Eisen fast überall gewonnen werden konnte, wo es vorlag (wenn man die Verarbeitung beherrschte).

Archäologische Befunde zeigen, dass Erze bereits von den Kelten der frühen Eisenzeit (Hallstattzeit 800 v. Chr. bis ca. 450 v. Chr.) abgebaut und verhüttet wurden. Hinweise auf Rennfeuerverhütung im Raum Amberg stammen aus einem frühkeltischen Grabhügel (8./7. Jahrhundert v. Chr.) am Spitalgraben in Amberg. Für die westliche und mittlere Oberpfalz belegen Befunde eine zunehmende Eisenerzgewinnung spätestens ab dem ausgehenden  7. Jahrhundert n. Chr.  (veröffentlicht in „Erz – Feuer – Eisen. Eine kleine Geschichte des frühen Montanwesens in der mittleren Oberpfalz“, 2018  von Dr. Mathias Hensch (auch im örtlichen Buchhandel vorrätig).
Archäologische Grabungen im Raum Amberg – Sulzbach (1992 - 2018 durch Dr. Hensch), fördern zunehmend Beweise wie Schlacken, Zunderreste und Rennöfen zu Tage, die zeigen, dass in der nördlichen Oberpfalz die Eisenverarbeitung mindestens schon um 800 n. Chr. einen hohen technischen Stand hatte. Im Bereich des Sulzbacher Schlossberges ist eine Besiedlung seit dem 8. Jahrhundert nachgewiesen. Bei den Grabungen im Sulzbacher Schloss wurde auch einer der ältesten bekannten Funde von bewusst hergestelltem Gusseisen in Mitteleuropa, ein kleiner Barren aus dem 11. Jahrhundert gefunden.

Wir wüssten sicher sehr viel mehr über diese „schriftarme“ Zeit wenn es mehr archäologische Grabungen gäbe. Denn, häufig wenn gegraben wird, gibt es erstaunliche neue Erkenntnisse.

Die Eisenvorkommen, die günstige Verkehrslage und die Ansiedlung auf dem kaum einnehmbaren Felsensporn über den Bachauen waren wohl der Grund für die Entstehung des bedeutendsten Herrschaftszentrums auf dem Nordgau.  

Im 13. Jahrhundert tauchen in bayerischen Salbüchern die ersten Schriftstücke auf, die indirekt auf Eisenerzeugung hinweisen (für Auerbach um 1275 und 1326). Der erste Urkundsbeweis auf den Bergbau in der Region Amberg-Sulzbach ist das herzogliche Urbar von 1285, in dem der Amberger Bergbau erwähnt wird. Bergbau wurde damals sicher auch in Sulzbach betrieben. Außerdem dürften viele weitere kleine Abbauorte vorhanden gewesen sein, die über den ganzen Raum um Amberg-Sulzbach verteilt waren.

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges waren Bergbau und Verhüttung kurzfristig auf einen Notbetrieb eingeschränkt. Aber ab 1946 ging es schnell bergauf.

1955, wenige Jahre nach Kriegsende, beschäftigte das Gesamtunternehmen Maxhütte einschl. Bergbau bereits wieder 7.915 Arbeitskräfte. 1958 begann der neu errichtete Förderschacht St. Anna, dessen Förderturm heute noch sichtbar ist, mit der Erzförderung. Der Klenzeschacht am Feuerhof wurde 1962 stillgelegt, damit das dort im Sicherheitspfeiler noch vorhandene Erz abgebaut werden konnte.

Zum 31. Dezember 1968 beschäftigte die Maxhütte 8906 Arbeitnehmer, davon im Erzbergbau 833.

Ab den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts und spätestens mit dem Beginn der weltweiten Stahlkrise wurde die Erzgewinnung durch billige Importerze und gestiegene Förderkosten immer unwirtschaftlicher. Das Grubensterben in unserem Raum begann mit der Schließung des Annaschachtes am 31.7.1974. Bis dahin waren in Sulzbach über 20 Millionen Tonnen Eisenerz abgebaut worden. Die in Sulzbach geförderten Eisenerze wurden, zusammen mit den Erzen aus dem benachbarten Auerbach, ausschließlich in den 6 Hochhöfen der Maxhütte als Roherz eingesetzt und somit unaufbereitet zu Roheisen verschmolzen.

Mit dem Ende der Förderung aus der letzten Grube am Eichelberg im März 1977 endete die weit mehr als zweitausendjährige Bergbautradition unserer Stadt.

Die Spuren dieses einst so wichtigen Erwerbzweiges sind verschwunden. Die Wunden, die er in die Landschaft riss sind zugewachsen und nur mehr für Fachleute erkennbar, als Spalten am Südhang des Galgenberges und Etzmannsberges oder kleine Weiher am Fuß des Etzmannsberges. Das letzte, für jedermann sichtbare Relikt dieser Tradition ist der Förderturm des Annaschachtes, unterhalb des Annaberges. Auch die Erzwagen vor dem Literaturarchiv oder der Kapelle an der einstigen Bergmannssiedlung  Feuerhof ziehen immer wieder die Blicke auf sich.

Weitere Erinnerungsstücke aus jener großen Zeit sind durch engagierte Bürger unserer Stadt im Lauf der Jahre hinzugekommen. Im Gelände der Villa des einstigen Maxhüttendirektors Fromm errichteten ehemalige Bergleute des Bergknappenvereins, zusammen mit der historischen Gruppe Stiber-Fähnlein, in einem früheren Luftschutzkeller einen Schaustollen, fachmännisch ausgebaut im Deutschen Türstock, wie er einst auch in den Sulzbacher Eisenerzgruben üblich war. Das jährlich am letzten Wochenende im Mai hier stattfindende Stollenfest ist ein beliebter Anziehungspunkt für jung und alt.
Bergknappen und die „Stiber“ haben auch  die zwei Bergbau-Pfade entwickelt und beschildert. Beide nehmen am Annaberg-Parkplatz ihren Anfang und führen dann durch Gebiete, in denen früher Fördertürme und Wetterschächte aufragten.

Wahrer der bergmännischen Tradition ist seit 1887 der Bergknappenverein Sulzbach.
Er ist verpflichtet, die Jahrtausende alte Tradition zu wahren – für spätere Generationen, die das Leben und die Arbeit unter Tage nur mehr vom Erzählen kennen lernen werden. Denn Bergknappen und die Bergknappenkapelle gehören mit ihrer schwarzen Tracht seit jeher untrennbar zum Stadtbild und zu allen Festen.

Die Politiker und die Verantwortlichen der Stadt sind aufgerufen, die Wahrzeichen des Bergbaus, der Sulzbach und Rosenberg über Jahrhunderte ernährt hat, vor dem Verfall zu bewahren und für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

Bei Wanderungen auf den Spuren des Eisenerzbergbaus (Bergbaupfad), im Stadtmuseum und im Schau-Stollen der „Villa Max“, oder durch einen außergewöhnlichen Rundblick vom Rosenberger Kriegerdenkmal auf die Anlagen der bis 2002 produzierenden Maxhütte lässt sich die Entwicklung der Region vom „Ruhrgebiet des Mittelalters“ bis zur Stahlerzeugung im 20. Jahrhundert noch erleben. Der südlich des Werkes gelegene Schlackenberg wurde wegen seiner Belastung für die Umwelt bis 2014 saniert und kann besichtigt werden. Das einstige Hüttenwerk darf nicht betreten wer-den und ist für einzelne Anlässe nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet.

Text Helmut Heinl: hl. 01.05.2019
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