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"Leben in der Bergmannssiedlung"

Viele der Leitenden in der Maxhütte und in den Gruben hatten bis zum Ende des Bergbaus einen Garten, der von Beschäftigten des Betriebes gepflegt wurde. Einer davon gehörte in den dreißiger Jahren dem damaligen Betriebsleiter Hamacher von der Grube Caroline.
Das Grundstück lag westlich vom Judenfriedhof und war mit einem ca. 2 m hohen Bretterzaun umgeben. Damit nichts gestohlen werden konnte war das Eingangstor mit einem Vorhängeschloss gesichert. Denn damals konnte man Obst und Gemüse noch nicht in Supermarkt kaufen und außerdem hatten die Leute kein Geld.
So lag der Garten, gut gepflegt von den Männern, die über Tage eingesetzt waren, vielleicht sogar von einem eigenen Gärtner. Dünger kam von den Bergleuten, die in der Grube arbeiteten und eine kleine Landwirtschaft hatten. Sie brachten dem „Herrn Direktor“ gerne ein Fuder Mist, weil der sich dann immer auf seine Weise revanchierte, mit einer Ladung Sägespäne, ein paar Brettern oder Kanthölzern von der Grubensäge.

Über das Grundstück führte die Seilbahn von den Gruben Fromm und Etzmannsberg. Sie transportierte das Erz zur Maxhütte nach Rosenberg. Etwa hundert Meter vor dem Judenfriedhof stieg das Gelände zum „Hammachergarten“ hin etwas an, so dass das Zugseil der Bahn nun nur noch knapp 3 Meter über dem Boden hing. Es führte in dieser Höhe direkt über den eingefriedeten Bereich hinweg und stieg danach wieder zum nächsten Masten an.
Den Feuerhofer Buben war der Garten nicht entgangen. Denn das Bruchfeld, bis hinunter zum Judenfriedhof, war ihr täglicher Abenteuerspielplatz. Die Neugierde, was hinter dem Zaun war, trieb sie um.

Der Rückweg über den Zaun war einfacher, weil man innen an den Latten hochklettern und auf der anderen Seite abspringen konnte. Vom Bergwerk aus war die Westseite nicht einsehbar und nach dem Absprung war man in Sicherheit. Ob einer von den Gärtnern etwas gemerkt hatte, weiß man nicht – von den Buben wurde jedenfalls nie einer erwischt.
Idylle im Steigergarten. Die Stärke des Lattenzauns zeigt, dass er nur von Bergleuten gebaut worden sein konnte. Absolut stabil.
Quelle: ObSt. Ritter
© Helmut Heinl