Das Ende der Maxhütten und ein kleiner Lichtblick - Feuerhof

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Bergbau in Sulzbach-Rosenberg 

Klenzeschacht
Das Ende der Maxhütten und neue Lichtblicke

Im Gegensatz zu der Konkurrenz von Rhein und Ruhr sowie den südwestdeutschen Werken verfügte die Maxhütte über keine kostengünstige Transportmöglichkeiten zu Wasser. Selbst Main und Donau inkl. dem Kanal sind immer weit weg gewesen. Die hohen Transportkosten, vor allem gegenüber den billigen Importerzen ab den 1960er Jahren konnten selbst die nahegelegenen Reviere in und um Sulzbach, Auerbach oder gar in Thüringen nicht kompensieren, zumal deren Erschöpfung absehbar waren. Schlussendlich trugen all diese Realitäten - inkl. Den geringeren Rohstoffqualitäten zum Ende der Maxhütten bei. Damit fand auch der Eisenerzbergbau in Bayern, der einst die bedeutendste Stahlindustrie im süddeutschen Raum, ja in ganz Europa war, ein Ende. Obwohl die Maxhütte in Rosenberg zusammen mit dem Bergbau in  Sulzbach das höchst integrierte Stahlwerk in ganz Europa war (und das älteste in Deutschland noch vor dem UNESCO-Welterbe (sic !) der Völklinger Hütte im Saarland), konnte sich das Land Bayern nicht durchringen, die Maxhütte in Rosenberg als einmaliges Industriedenkmal zu erhalten. Wie den meisten bekannt sein dürfte, wurde das geschichtsträchtige Stahlwerk mit seinen drei einzigartigen OBM-Konvertern sowie dem Roheisenmischer sowie dem historischen Kraftwerk Ende 2019 bis Anfang 2020 komplett abgerissen. Die Technologie der einmaligen OBM-Konverter wird vorallem in der Edelstahlherstellung und als Grundlage zum Bau eines neuen, innovativen Wärmeübertragers beim Einsatz von Wasserstoff- sowie Biogas u.a.m weiter fortgeschrieben. Für letzteres sorgen der Sulbach-Rosenberger Dr. Dragan Stevanovic, Geschäftsführer von HiTES, zusammen mit Prof. Dr. Karl Brotzmann (bis zu seinem Tod in 2020), dem Miterfinder der OBM-Konverter; Stichwort: pebble heater.

Eine stärkere Wiederbelebung der OBM-Technologie (oftmals auch als KOBM/K-OBM = Klöckner-Oxygen-Bottom-Maxhütte oder -Oxygen-Bodenblas-Metallurgie-Verfahren bezeichnet) erfolgte in den letzten Jahren durch Weiterentwicklungen des Unternehmens Primetals Technologies, welches aus dem Anlagenbau der Vöest-Alpine hervorgegangen ist und heute zur japanischen Mitsubishi Heavy Industries (HMI) und Partnern gehört.

So wurde in 2020 / 2021 sogar ein bestehender Linz-Donawitz- (LD-) Konverter (im englischen auch als „Basic Oxygen Furnace“ (BOF) bezeichnet) durch einen OBM-Konverter ersetzt. Dies erfolgte im Stahlwerk der HBIS Group Handan Iron and Steel in Handan, China. Die OBM-Vorteile von früher gelten nämlich auch für aktuelle Weiterentwicklungen: Die Bodeneinblasung bewirkt eine hervorragende Durchmischung des Stahlbads, durch die sich alle metallurgischen Reaktionen nahezu im Gleichgewicht befinden. Infolgedessen ist der Ertrag des Prozesses höher als bei einem nur von oben blasenden Konverter, und die Prozesssteuerung ist einfacher.

Die deutsche SMS Group in Düsseldorf, ein Konkurrent von Primetals Technologies, hatte im Jahre 2020 / 2021 wiederum über ihre US-amerikanische Tochtergesellschaft den größten Konverter Nordamerikas, einen KOBM-Konverter mit einer Kapazität von immerhin 320 Tonnen Abstichgewicht inklusive dem dazugehörigem Getriebe für das Stahlwerk in Hamilton, Ontario der ArcelorMittal Dofasco (AMD), Kanada, geliefert und installiert. Übrigens, die drei OBM-Konverter der Maxhütte verfügten über eine Kapazität von „lediglich“ je 70 Tonnen. Die erfolgreiche Geschichte des OBM-Konverters geht also weiter.


© 14.2.2022 von rpr Ruthenberg
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