Die Erzmüllner - Feuerhof

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Die Erzmüllner

Das Erz in den Sulzbacher Gruben lag in ganz unterschiedlicher Beschaffenheit vor. Es war beileibe nicht immer so fest, dass es gesprengt oder mit dem Pickhammer abgebaut werden musste. Es gab Stellen mit ganz lockerem Rieselerz, das aus der Ortsbrust wie lockerer Kies herausfloss. Da war das Gedinge schnell und ohne große Mühe zu schaffen. Auf der Nachtschicht konnte man sogar ein paar Stunden schlafen.

Das lockere Erz trug aber auch die Gefahr in sich, dass plötzlich sehr viel nachrutschte. Deshalb musste der Ausbau entsprechend nachgezogen werden. Das heißt, wenn wieder ein Meter an der Ortsbrust hereingewonnen war, wurden Stempel aufgestellt und das Erz (laienhaft ausgedrückt) mit seitlich und nach oben eingebauten Hölzern, Brettern und Schwarten am Nachrutschen gehindert.

Erzmüllner machten sich diesen Umstand zunutze. Die Deckbretter, oben an der Firste wurden etwas gelockert, und zwar so, dass ein Spalt entstand. Dann wurde der Hunt darunter geschoben und mit einer Eisenstange durch die Bretter gestochert. Das Erz rieselte, von der Firste herab, gleich in den Wagen - es wurde „gemahlen“. So war es leicht, die im Gedinge vereinbarte Erzmenge herein zu gewinnen oder sogar zu übertreffen. Deshalb wurden solche Gelegenheiten von einigen wenigen - besonders unvorsichtigen - Bergleuten weidlich ausgenutzt, auch wenn das „Mahlen“ streng verboten war, aus gutem Grund.

Oft waren nämlich die dadurch entstandenen Hohlräume, nach den Aussagen alter Bergleute, so groß, dass man ein Haus hinein stellen konnte. Auch der Laie kann sich vorstellen, wenn dann einmal ein solcher Hohlraum einbrach, war die Auswirkung verheerend. Das Gebirge (Hangende) schlug mit unvorstellbarer Wucht zu, zerschmetterte alles in der Nähe und eine gewaltige Druckwelle stürmte in die Strecke. Im günstigsten Fall war es nur stockfinster, weil der Luftdruck alle Lampen löschte - im schlimmsten Fall gab es mindestens Verletzte, wenn nicht Tote und einen riesigen Schaden. Deshalb war sogar der Aufenthalt an solchen Stellen verboten, bis sie gesichert waren.

Trotzdem wurde immer wieder „Erz gemahlen“, wie die Alten das bezeichneten. Aber die Erzmüllner waren unter den Kameraden nicht angesehen, weil ihr Handeln andere gefährdete. Die Steiger wussten von den Aktivitäten nichts, sonst wären sie sofort eingeschritten. Da hielten die Kameraden dicht, auch wenn es verboten war.
Deshalb gab es Arbeiter, die sich strikt weigerten, an Abbauorten zu arbeiten, an denen „gemahlen“ wurde. Lieber ließen sie sich in eine andere Gruppe versetzen, als mit der ständigen Gefahr zu leben, die von einer solchen Höhlung ausging. Denn wie lange die Hohlräume über dem Ausbau stabil waren, konnte niemand abschätzen.

Ein hochgefährliches Unterfangen also, das immer wieder von wenigen Unvernünftigen riskiert wurde, und einigen von ihnen hätte es beinahe das Leben gekostet.

© Helmut Heinl 12/2020
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