Grube Caroline mit Klenzeschacht - Feuerhof Stadtteil von Sulzbach-Rosenberg

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Grube Caroline mit Klenzeschacht

von Helmut Heinl
Grube Caroline mit Klenzeschacht

Schon vor über zweitausend Jahren wurde im ostbayerischen Raum Eisen erschmolzen, sehr wahrscheinlich auch im Sulzbacher Gebiet. Das Erz lag bei uns  - in unterschiedlichen Tiefen - an der Westseite des Höhenzuges vom Eichelberg bei Rosenberg, über den Annaberg bis zum Großenfalzer Berg. Unterhalb des Etzmannsberges, südwestlich des uralten Gehöfts Feuerhof  (erstmals erwähnt 1366) wurde bereits im Mittelalter Erz in großen Mengen abgebaut. Ein Relikt dieser Zeit war die lange sichtbare Erzhülle, südlich des Judenfriedhofs, ein abflussloser Trichter, der durch den darunter liegenden Erzabbau eingebrochen war und sich mit Wasser füllte.

Am 1.8.1859 kaufte die Maxhütte das Erzrevier Sulzbach (Mutungsgebiete und vorhandene Gruben von der südlichen Ortsgrenze Rosenberg bis nach Großenfalz.) Die vorhandenen Schächte, insbesondere Etzmannsberg wurden ausgebaut und in der Folge weitere Schächte abgeteuft. Das Erz wurde ab etwa 1864 mit Fuhrwerken zur neu gebauten Maxhütte nach Rosenberg transportiert.

1863 wurde das Grubenfeld Karoline 1) aufgeschlossen. 1873 wurde ein zweiter Schacht abgeteuft,  allerdings erst 1886 in Betrieb genommen. Seit 1883 wurden die Erze der Grube Etzmannsberg und ab 1889 der Grube Caroline nicht mehr mit Fuhrwerken sondern mit einer Seilbahn auf Holzmasten zum Hochofen nach Rosenberg transportiert. Für viele Bauern fiel damit eine Nebenerwerbsquelle weg.

Mit dem Abteufen des Klenzeschachtes (benannt nach dem langjährigen Aufsichtsrat Max von Klenze), der erstmals bis ins Liegende niedergebracht wurde (125 m), das ist der unterhalb des Erzes gelegene Kalkstein, nahm die Maxhütte 1910 ihr bis dahin anspruchsvollstes Bergbauprojekt in Angriff. Im Jahr 1912, nach dem Abteufen des neuen Schachtes und der Fertigstellung einer untertägigen Streckenverbindung zum alten Schacht, wurde dieser stillgelegt und verfüllt.

Damit werden erstmals 3 Gruben der Erzfelder Caroline, Etzmannsberg und Fromm durch eine durchgehende Hauptförderstrecke auf der 125-Meter-Sohle verbunden. Nach der Fertigstellung  und der Aufnahme der Förderung im Jahr 1912 fuhren in diesen Zentralschacht täglich 1000 Bergleute ein. Neben den modernen Waschkauen gab es eine eigene Schmiede und ein Sägewerk, 1913 wurde erstmals elektrisches Licht installiert und ab 1915 Pressluft erzeugt.
Ab 1921 wurden wegen des über einem Teil des Erzfeldes gelegenen Judenfriedhofs die beim Abbau entstandenen Hohlräume mit einem Wasser/Sandgemisch aufgefüllt (sog. Spülversatz).

1927 wurde die 144 m-Sohle aufgeschlossen. Die Förderung erreichte bis zu 2000 Tonnen pro Tag und wurde über eine Tag und Nacht laufende Seilbahn auf Eisenmasten mitten durch den Ort Rosenberg zu den Hochöfen transportiert.

Damit war die Grube Caroline über viele Jahrzehnte die Hauptfördergrube des Sulzbacher Bergbaus. Der ganze Höhenzug vom Gasthaus Bartl bis nach Etzmannshof war Bruchgebiet. Das  war mit Seilen und Warnschildern abgesperrt und durfte nicht betreten werden. Die bis zu 10 m tiefen Klüfte stellten für Unkundige eine erhebliche Gefahrenquelle dar. Das Bergsenkungsgebiet reichte im Osten bis zur Edelsfelder Straße. Dort sind noch heute die meisten Häuser  mit dicken Winkeleisen und bis zu 4 cm starken Eisenstäben  über Eck verspannt.

Die 1936 errichtete Siedlung Feuerhof ist dem Bergbau und vor allem dem Klenzeschacht zu verdanken. Sie wurde für Bergarbeiter errichtet, die in den Schächten, Fromm, Etzmannsberg und vor allem Klenze arbeiteten und damit ganz kurze Wege zum Arbeitsplatz hatten.

Mit der Fertigstellung des Annaschachtes unterhalb des Annaberges 1958 und der untertägigen Verbindungsstrecke zum Klenzeschacht wurde die Grube 1962 geschlossen und der Erzkörper um den Schacht abgebaut. Es dauerte mehr als 20 Jahre bis die großflächigen Senkungsschäden so weit abgeklungen waren, dass das Gelände wieder betreten werden durfte. Am Etzmannsberg, der heute Landschaftsschutzgebiet ist, kann auch der Laie noch erkennen, wie der Bergbau im Klenzeschacht die Landschaft verändert hat.

© 27.10.2019. Helmut Heinl

1) Richtig hieß das Grubenfeld Caroline, denn Namensgeberin war: Caroline, Friederike, Wilhelmine; Bayerische Königin *1776 + 1841. (Festschrift 75 Jahre Maxhütte).
Uraufnahme (1808-1864) Daten: Bayerische Vermessungsverwaltung
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