Sulzbachs größte Wärmeresource ? - KulturAS. Gemeinschaft von netten, unternehmungslustigen, kulturbewussten und reiselustigen Menschen

2024/2025
Gemeinschaft von netten, unternehmungslustigen, kulturbewussten und reiselustigen Menschen
Sulzbach-Rosenberg/Feuerhof
Direkt zum Seiteninhalt

Sulzbachs größte Wärmeresource ?

Helmut Heinl Autorenseite
"Leben in der Bergmannssiedlung"
Sulzbachs größte Wärmeresource ?

Die größte Bergbauaktivität in unserer Stadt war das Abteufen des St. Anna Schachtes und das Auffahren der Richtstrecke von dort nach Großenfalz. Das ist eine über 3 km lange „Röhre“ in ca. 100 m Tiefe, in den festen Malmkalk gebohrt und gesprengt.

Nach Schließung des Sankt-Anna-Schachtes, im Jahr 1974, wurden die Dammtore an beiden Enden der Richtstrecke für immer geschlossen. Die Pumpen wurden abgeschaltet und ausgebaut. Das gesamte Bergwerksgebäude von Großenfalz bis unter den Lobenhof lief innerhalb weniger Wochen voll Wasser. Da die Verbindung zwischen Großenfalz und dem St. Anna Schacht im stabilen Malmkalk aufgefahren und größtenteils mit Spritzbeton ausgekleidet wurde, ist sie – wie eine unterirdische Höhle im Kalk – unverändert stabil. Das war Grundvoraussetzung, denn in dieser Röhre erfolgte der gesamte Transport von Mannschaft, Erzen und Material zwischen Großenfalz, Klenzeschacht und dem St. Anna Schacht. Jeder Schaden an dieser Verbindung hätte gravierende wirtschaftliche Auswirkungen für die Erzproduktion gehabt. Alle Bergsenkungen, die mit der Ausbeutung der Erzfelder nach über Tage entstanden, hatten dort unten keine Auswirkungen.


Das Baugebiet Katzenberg war bei Kartenerstellung noch nicht vorhanden. Quelle: Markscheiderei der Maxhütte; die Jahreszahlen zeigen das Ende des jeweiligen Abbaus.

In dieser Röhre befinden sich Zehntausende Kubikmeter Wasser, die als unbegrenzt nutzbarer Wärmespeicher verwendet werden können. Bei einer Länge von ca. 3600 Meter mit einem Querschnitt von mehr als 10 m² ergibt sich eine Speichermenge von mindestens 36.000 cbm Wasser. Entnimmt man das Wasser an einer Stelle, kühlt es mit einer Wärmepumpe ab und leitet es einige 100 m entfernt wieder ein, funktioniert das wie ein Grundwasserbrunnen. In der „Röhre“ entsteht ein Kreislauf, der permanent Erdwärme aufnimmt und damit als Speichermedium dient. Unsere Stadt hat mit diesem verborgenen Relikt aus der Bergbaugeschichte einen riesigen Speicher, der einmal angezapft, unbegrenzt Erdwärme liefern kann.
Durch die riesigen Dimensionen ist man nicht darauf angewiesen, wasserführende Schichten zu finden, oder in den Grundwasserspiegel einzugreifen.

Natürlich ist das Anzapfen dieser Ressource mit Aufwand verbunden. Es ist zu prüfen, ob das ca. 8 – 12°A warme Wasser  verwendet werden kann. Dazu sind bergrechtliche und wasserrechtliche Genehmigungen erforderlich. Die Röhre muss von über Tage eingemessen und angebohrt werden. Dazu wurden genaue Pläne beim Bergamt abgeliefert, die von den Markscheidern durch ZulegerisseB  präzisiert wurden. Sie sind so genau, dass man bei einem Bergwerksunglück die Verschütteten mit einer punktgenauen Rettungsbohrung hätte bergen können.C
Die Aufschlussarbeiten sind aber keine Geothermiebohrungen, die evtl. mit Risiken verbunden sein könnten. Es wird einfach der vorhandene „Speicher“ angezapft und das im Überfluss vorhandene Wasser genutzt. Das Risiko liegt vor allem in der Qualität des Wassers.D  Die Bohrarbeiten kosten zunächst einmal viel Geld. Ist aber der Wärmespeicher erst einmal angezapft, und mit einer großen Wärmepumpe nutzbar gemacht, lassen sich damit große Neubaugebiete umweltfreundlich erwärmen. Selbst gering temperiertes Wasser kann damit in Niedertemperatur-Heizanlagen, wie sie in modernen Häusern üblich sind, Heizungsvorlauftemperaturen von 40 bis 45 Grad erreichen.“ Die Nutzung einer Wasser-Wärmepumpe ist hoch effizient. Vor allem wenn sie mit immer gleich bleibender Wassertemperatur gespeist wird. Nur die Saugpumpe und Wärmepumpe müssen betrieben werden. Dies erfordert etwa ein Fünftel der Heizenergie, die aus dem Grubenwasser gewonnen wird. Das Fraunhofer Institut München spricht in einem Podcast von „Ewigkeitsnutzen statt Ewigkeitslasten“.

Es wäre also wert, so ein Projekt ergebnisoffen zu prüfen, denn Erdwärme ist emissionsfrei und wird unendlich kostenlos zur Verfügung stehen.

[A] Eingeleitetes Grubenwasser wurde 1960 mit 10 – 12 ° angegeben. Gutachten Bay. Landesamt f. Wasserversorgung u.a. vom 5.7.1960.
[B] Zusätzliche Handzeichnungen mit Maßen.
[C] Krampfl Max, Berg-Vermessungsingenieur hat diese Pläne unter dem Markscheider Dr. Eckmann angefertigt.
Die Bergwerksleitung hatte diesbezügliche Anfragen an das Bergamt zu beantworten.
[D] Grubenwässer aus Erzfeldern enthalten gelöstes Eisen.

© Helmut Heinl 1/2023
Zurück zum Seiteninhalt