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Taschengeld abgezweigt – Not macht erfinderisch

Bis 1966 erhielten die Bergleute ihren Lohn wöchentlich in bar ausbezahlt. Am Monatsende wurde abgerechnet und der Bergmann erhielt den Rest. Im Bergwerk gab es keine festen Monatslöhne, da im Akkord (Gedinge) gearbeitet wurde. Das Gedinge richtete sich nach den Verhältnissen am Abbauort und der Anzahl der gefüllten Wagen, die „gemacht“ wurden. Der Betrag pro gefülltem Wagen wurde regelmäßig zwischen dem Ortsältesten und dem Obersteiger ausgehandelt und schwankte deshalb. Wer ordentlich „etwas in der Tüte hatte“ verdiente gut.
Der aus dem Gedinge ermittelte Monatslohn und die wöchentlichen Abschläge wurden auf Lohnstreifen festgehalten, die jede Woche neben dem Geld in der Lohntüte steckten. In die Berechnung auf dem Streifen wurden außerdem die Abzüge für Krankenversicherung, Gewerkschaft, Bergknappenverein, Karbid usw. eingetragen. Es war also ganz normal, dass der Wochenlohn und der Monatslohn schwankten. Das wussten auch die Bergmannsfrauen, die sich in der Regel um die Gelddinge in der Familie kümmerten.
Das machten sich einige Kameraden zunutze. Denn unter ihnen gab es auch welche, die von ihrer Frau finanziell sehr kurz gehalten wurden. Sie mussten jeden Freitag ihre Lohntüte abliefern, auf der handschriftlich der Zahlbetrag vermerkt war. Da gab es kein Entkommen.
Wer gerne einmal etwas Taschengeld für einen Wirtshausbesuch abzweigte, musste sich etwas einfallen lassen. Und davon gab es einige „Spezialisten“. Sie ließen sich, wenn sie am Freitag die Lohntüte erhielten, vom Lohnbuchhalter gleich einen Radiergummi geben, radierten die erste Zahl weg und schrieben 1o Mark weniger hin. So zweigten sie sich auf diese Weise jede Woche „einen Zehner“ ab. Das war in der damaligen Zeit viel Geld und es reichte – wenn man etwas sparsam damit umging – für mindestens 2 Wirtshausbesuche.
Solange die Frau nicht den Lohnstreifen sehen wollte und sich auch noch damit auskannte, war das kein Problem. Die Leute im Lohnbüro stellten Radiergummi und Stift schmunzelnd zur Verfügung und hielten dicht. Auf diese Weise haben sich einige Bergleute ihr Taschengeld gleich selbst abgezweigt, ohne dass die Frau etwas davon merkte.
Ab 1.1.1967 war das dann nicht mehr möglich. Die Maxhütte stellte auf bargeldlose Zahlung um und damit auch alle mitmachten bekam jeder Beschäftigte für die Einrichtung eines Kontos einen Zuschuss von 18,50 Mark.


Bruno Leistl, der Chef des Lohnbüros, beim Vorbereiten der Lohntüten
Bild: „Maxhütte intern“ 1966

© Helmut Heinl 02/2021
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