dou moust an Schokalad essn, nou kraigs wida Kraft, mei Leiwa - Feuerhof

Feuerhof
2020/2021
Logo Feuerhof
Neuigkeiten und Wissenwertes rund um den Stadteil Feuerhof
Erinnerungen an den Bergbau in Sulzbach-Rosenberg
Leben in der Bergmannssiedlung
mit netten Leuten unterwegs!
Direkt zum Seiteninhalt

dou moust an Schokalad essn, nou kraigs wida Kraft, mei Leiwa

Der Schokalad

Bergleute mochten durchaus auch etwas Süßes, sogar in der Grube.
Der Meiler xx. aus einem Dorf bei Sulzbach schwor auf seinen „Schokalad“, den er unter Tage immer in einer Tasche seiner Arbeitsmontur dabei hatte. Oft aß er in einer Schicht, eine ganze Tafel. Wenn einmal einer der Kameraden müde war, weil er viel in der Landwirtschaft gearbeitet hatte oder zu lange im Wirtshaus gesessen war, meinte der Meiler nur, „dou moust an Schokalad essn, nou kraigs wida Kraft, mei Leiwa“ und er bot seinen Kameraden gleich ein paar Rippen  an. Die mochte aber keiner essen, denn durch den ständigen Transport in der Arbeitsjoppe war die braune Pampe im geriffelten Silberpapier meist verklumpt und unansehnlich. Außerdem aß der Meiler nur Blockschokolade, weil die billiger war und nicht so schnell in der Tasche schmolz. Diese Blockschokolade gibt es heute noch, im gleichen Papier und weil sie grobkörniger ist, wird sie nur zum Backen verwendet.

Den Arbeitskollegen ging das selbstgefällige Anbieten der braunen Pampe irgendwann auf die Nerven und sie berieten, wie sie dem „Schokalad“ einen Streich spielen konnten. Der Spöttlmeier, ein „ganz Odrahter“, wusste schnell Rat - da gab es doch jenes Abführmittel, auf dem ein Männchen mit Kerze abgebildet war. Das war nicht als Pillen oder Tropfen zu kaufen, sondern es waren kleine Täfelchen, von denen, je nach Dosierung, kleine Stückchen abgebrochen wurden. Das Zeug schmeckte wie Schokolade.

Einer der Kameraden wollte gleich nach der Schicht von der Apotheke eine Packung holen und als sie am nächsten Tag zur Mittagsschicht anfuhren, zeigte er den anderen schon ganz verstohlen die grüne Packung mit dem Darmol-Männchen drauf.  

Nun mussten sie den „Schokalad“ nur noch erwischen, wenn er seine Joppe auszog. Die günstigste Gelegenheit dazu war, wenn der auf den „Daniel“ ging. Dann hängte er den Frack meistens an einen Nagel am Ausbau und war für 10-15 Minuten verschwunden.

Das nützten die anderen, holten die wieder etwas verklumpte Schokolade heraus. Einer wärmte sie an der Flamme der Karbidlampe an, damit sie besser geknetet werden konnte und der andere machte das Abführmittel so warm, dass es problemlos mit der Blockschokolade verklebte, und zwar gleich ¼ der Packung. Bis der „Schokalad“ wieder von seinem Geschäft zurückkam, lag die verfeinerte „Leckerei“ wieder, in Silberpapier eingewickelt, in der Jackentasche.

Die Gruppe vor Ort ließ sich nichts anmerken und sah zu, wie ihr Kamerad bis zum Ende der Schicht wieder nahezu die ganze Tafel verdrückte. Ganz offensichtlich merkte er von der Zutat nichts, denn die kleinen Täfelchen schmeckten tatsächlich zum Verwechseln ähnlich und waren ebenso körnig, wie Blockschokolade.

Am nächsten Tag zur Mittagsschicht warteten die anderen schon beim Einfahren in den Schacht auf den „Schokalad“, gespannt, ob er vielleicht etwas sagen würde. Denn auf der Packung stand, dass die Wirkung nach ca. 10 – 12 Stunden eintritt und damit musste beim Schichtbeginn, am folgenden Tag, schon etwas passiert sein. Tatsächlich war der Kamerad etwas blass um die Nase. Und als ihn einer von seiner Gruppe ganz scheinheilig fragte, „nau houst eapa gestern wida a Seidl zvüll trunkgn“, berichtete er ganz offen: „Na, des niat, owa ich mou irgend wos schlechts gessn hom. Die ganz Nacht houts me durchgrammt, dass e kam maia vun Heisl owakumma bin. Des woa vielleicht wos nasch, da Bauch hot gschnin und durchgrammt hots me. I ho denkt i sch… ma d’ Seel ausm Leib“.

Die Kameraden markierten Betroffenheit. Auf dem Fußmarsch zum Abbauort fragte einer „Ja vielleicht woa des dei Schokalad....?“  Worauf der Geschädigte meinte „naa, des kann niat saa, des is a Blockschokalad, dea stopft aia“.

Am Ort angekommen, konnten sich die Täter nicht mehr zurückhalten. Unter dem brüllenden Gelächter der Herumstehenden klärte einer den „Schokalad“ über die Ursache seiner Beschwerden auf. Die Flüche und wüsten Beschimpfungen, die der Bergmann dann von sich gab, müssen hier verschwiegen werden. Es hat nicht viel gefehlt, dann hätte er dem nächst Besten das Werkzeug über den Schädel gezogen. Wahrscheinlich hat nur der herannahende Steiger das Schlimmste verhindert. Der bekam dann gleich das Attentat mit.

Jedenfalls hat der Meiller niemand mehr seinen „Schokalad“ empfohlen, ihn vielmehr nur verstohlen gegessen. Und wenn er bei der Seilfahrt manchmal gefragt wurde, ob er seinen Schokalad dabei habe, hat er entweder zu Boden gesehen oder den Betroffenen „auf die Kirchweih geladen“.

So war es eben in der Grube. Wer seine Kameraden unter Tage zu sehr genervt hat, ist abgestraft worden. Und wer vom Text nicht alles verstanden hat, kann ja mal im „Erbendorfer Mundartlexikon“ nachlesen oder –hören. Dort finden sich für die „nicht der Mundart Kundigen“ interessante Erklärungen.


Übrigens: Darmol, das Mittel mit dem Männchen wirkt noch heute und man kann es am Markt kaufen.


© Helmut Heinl 5/2020
Zurück zum Seiteninhalt