Gasthaus "Zur Waage" - KulturAS. Gemeinschaft von netten, unternehmungslustigen, kulturbewussten und reiselustigen Menschen

2024/2025
Gemeinschaft von netten, unternehmungslustigen, kulturbewussten und reiselustigen Menschen
Sulzbach-Rosenberg/Feuerhof
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Gasthaus "Zur Waage"

Klenzeschacht
Gasthaus „Zur Waage“

Das Gasthaus „Zur Waage“ war den alten Rosenbergern als das zentrale Wirtshaus am Festplatz bestens bekannt. Seine Geschichte ist eng mit der Entwicklung der Stadt verbunden und spiegelt deren wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen wider. Mit der Schließung der Maxhütte, einer bedeutenden Eisenhütte, blieben die Gäste aus, und Anfang der 2000er Jahre musste das Gasthaus schließlich seine Türen schließen.

Bereits im 15. Jahrhundert wurde ein Wirtshaus als Eigentum der Burgbesitzer erwähnt, das möglicherweise der Vorläufer des Gasthauses „Zur Waage“ war. Das ehemalige Gasthaus, das gegenüber dem Rathaus liegt, gilt als das vermutlich älteste Wirtshaus in Rosenberg. Es wurde offiziell als Tafernwirtschaft mit herzoglicher Genehmigung am 26. August 1683 eröffnet. An diesem Tag erlaubte der Sulzbacher Herzog Pfalzgraf Christian August dem Tafernwirt Wilhelm Thurn jun., an seinem Wirtshaus ein Schild anzubringen. Dieses Schild sollte eine aus den Wolken greifende Hand zeigen, die eine „Gulden-Waag“ hält, zur Erinnerung und Befleißigung der lieben Gerechtigkeit gegen die Gäste und Einkehrenden daselbst.

Das Nasenschild des Gasthofs „Zur Waage“ trug den Spruch: „hüte dich vor falscher Waage, rechte Maas dem Gast vortrage“. Dieser Spruch mahnte zur Ehrlichkeit und Fairness im Umgang mit den Gästen und unterstrich die Bedeutung von Gerechtigkeit in der Bewirtung.

Ab dem 1. Juli 1934 gehörte das Gasthaus der soeben erst per Vereinigungsdekret entstanden Stadt Sulzbach-Rosenberg. Die den Besitz anschließend an die Lederer Bräu AG Nürnberg veräußerte. Die anhaltende Krise des einst florierenden Stahlwerks Maxhütte ab Mitte der 1980er Jahre läutete auch den Niedergang der Gastronomietradition in der „Waage“ ein.

Im Jahr 2004 kam der letzte „Waage-Wirt“ bei einem Verkehrsunfall ums Leben, und im August desselben Jahres wurde das traditionsreiche Wirtshaus endgültig geschlossen. Dies markierte das Ende einer Ära, die über Jahrhunderte hinweg ein zentraler Bestandteil des sozialen Lebens in Rosenberg gewesen war.

Inzwischen wurden an der Stelle des ehemaligen Gasthauses zehn seniorenfreundliche Wohnungen von gehobenem Standard sowie eine große Arztpraxis errichtet. Trotz des Umbaus zieren der Schriftzug „Zur Waage“ und das historische Nasenschild weiterhin die Fassade des Gebäudes, sodass man beinahe meinen könnte, es werde dort immer noch Bier ausgeschenkt. Die Erhaltung dieser Elemente zeugt von der tiefen Verwurzelung des Gasthauses in der Geschichte und dem kulturellen Gedächtnis von Rosenberg.

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