ehemalige Schinhammer Wirtschaft - Feuerhof

Feuerhof
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Wirtshausgeschichten 

Klenzeschacht
Gaststätte „Schinhammer“ von 1953 - 1963
Sulzbach / Rosenberger Straße 30 / Ecke Basteizufahrt

Wirtshäuser gehören zu Bayern wie das Amen in die Kirche
Seit Ende der 1960er Jahre werden die klassischen Wirtschaften im Freistaat Bayern immer weniger


1953 kaufte die Brauerei Landgraf die Gastwirtschaft „Schinhammer“ vom letzten der Schinhammerfamilie, Christof Schinhammer und verpachtete sie an Hans und Anneliese Heldrich. Sie hatten drei Kinder,  Werner, Renate und Walter (Autor).

Der „Schinhammer“ war ein beliebtes gutbürgerliches Wirtshaus, in dem man gut essen und trinken konnte. Damals kostete der Schweinebraten noch 1,70 DM mit Knödel und Salat - heute bekommt man nicht einmal einen Salat dafür. Auf der Speisekarte konnte man auch schon mal Spezialitäten finden, wie z.B. Froschschenkel usw. Es gab auch einen Straßenverkauf, da kam die Laufkundschaft aus der Umgebung mit Kannen und Masskrügen und man konnte sich das Bier außerhalb des Gastraumes abholen. Das war eine Türe mit einem Fenster. Da wurde geklingelt und das Fenster wurde hoch geschoben.


(Bild Speisekarte)

Damals war die Gaststätte Kulturstätte, Wärmestube und Ort der Geselligkeit zugleich. Hans Heldrich war sehr fußballbegeistert und somit verkehrten auch viele Sportfreunde in der Wirtschaft. Ebenso war die Gaststätte von den Bergleuten gut besucht, denn auf dem Weg von der Schicht nach Hause kehrte man mehr als regelmäßig dort ein - da gibt es auch von Helmut Heinl eine kleine Geschichte "Der Friedhofsbomber".

Am Stammtisch vorbeizukommen lohnte sich immer. Hier trafen sich alle Gesellschaftsschichten, es wurde natürlich politisiert und beim Bier wurden auch schon mal Aufträge ausgemauschelt. Man musste die Gäste teilweise am späten Sonntagmorgen nach durchzechter Nacht rauswerfen. Die Stube war oft so verqualmt, dass man die Luft schneiden konnte, denn in den 60er Jahren wurde noch sehr viel geraucht. Das HB-Männchen der gleichnamigen Zigarettenmarke erreichte sogar Kultstatus.

Auch kann ich mich noch daran erinnern, dass Polizisten in der Küche zum Kaffeetrinken saßen. Es war auch schon ein kleiner Fernseher vorhanden, um den sich die Gäste drängten. Sonntags wurde natürlich im Gastzimmer nach alter Bayerischer Tradition "Schafkopf" gespielt, an mind. 5 - 6 Tischen. Es waren hauptsächlich „Maxhütterer“ zum Kartenspielen da, die auch schon mal teilweise ihren Monatslohn verspielten. Nach der Kirche gab es dann mittags einen saftigen Schweinebraten. Meine Schwester stand bereits mit zwei Jahren hinter der Theke auf einem Schemel und hat mehr oder weniger Bier eingeschenkt. Im Lokal gab es ab 1955 auch eine Musikbox, dies war damals ein Hit. Das Gerät spielte bei 2 x 10 Pfennig 1 Musikstück, bei 50 Pfenning 3 Musikstücke und bei 1 DM 6 Musikstücke.

Auf der gegenüberliegenden Seite vom „Schinhammer“ war der „Gasthof Post“, da gab es die ersten Pommes in Sulzbach. Von 1967 bis 1976 befand sich dort die Grinzinger Brathendlstation, dahinter das Capitol-Kino. Das Schulhaus und die „Bastei“ mit dem damals wohl schönsten Biergarten waren auch gleich um die Ecke. Gegenüber an der Allee befand sich auch das Kriegerdenkmal (wurde 1967 abgerissen), der Stadtturm stand zu dieser Zeit noch nicht.



Nebenan befand sich die Lottostelle von Frau Eichenauer und das Lebensmittelgeschäft „Hoffmann“. Der Besitzer war Walter Hoffmann mit seiner Frau Maria, da lernte ich schon als Kind was ein Kaufmann ist, denn ich stand ab und zu mit hinter der Ladentheke (die Hoffmann´s waren meine Paten). Die meisten Lebensmittel waren in großen Schüben oder Fässern. Zucker, Salz, Mehl, Reis und andere Grundnahrungsmittel wurden lose verkauft und erst auf der Ladentheke ausgewogen und in Papiertüten verpackt, für Bismarckheringe brachten die Kunden eigene Behälter mit.  Zur damaligen Zeit ein typischer Tante Emma Laden, heute würde man dazu "Unverpacktladen" sagen. Es gab alles, was man fürs Leben benötigte. Verpackungsmüll wurde in früheren Zeiten kaum produziert. Kartons und Papiertüten wurden grundsätzlich mehrfach verwendet und landeten dann irgendwann zum Anheizen im Ofen. Hatte man was vergessen, so klopfte oder klingelte man außerhalb der Ladenöffnungszeiten an der Privatwohnung und ging - wie es im örtlichen Sprachgebrauch hieß - „hintenherum” einkaufen. Das alt Hoffmannhaus wurde 1972 abgerissen und in ein modernes Ärztehaus mit Apotheke erstellt (jetzt steht hier die Marien-Apotheke).
Heute gibt es in Deutschland solche Geschäfte fast nicht mehr. Sie wurden durch Supermärkte verdrängt.




1962 verstarb Hans Heldrich mit 49 Jahren plötzlich auf einem Fußballplatz in Schwarzenfeld an einem Herzinfarkt. Noch ein Jahr führte meine Mutter die Wirtschaft weiter bis sie 1963 dann endgültig geschlossen wurde, die Brauerei Landgraf verkaufte den Gasthof an das Bekleidungsgeschäft Alfons Heim in Amberg.

Danach zogen wir zu Georg und Erika Heldrich (Schwester meiner Mutter und Bruder meines Vaters) in den Boch ins Gasthaus „Zur Sonne“. Ab jetzt war ich ein „Bochratz“. 1978 wechselte ich dann den Stadtteil und zog in den hohen Norden von Sulzbach auf den Feuerhof. Die "Sonne" führte meine Cousine Inge noch bis 1992. Nach mehreren vergeblichen Anläufen neuer Pächter, steht das Gasthaus zwischenzeitlich auch leer.

1968 verschwindet das alte „Schinhammerhaus“, das zum vertrauten Stadtbild gehörte. An dieser Stelle errichtete das Bekleidungshaus Heim einen Geschäftsneubau, danach übernahm der Drogeriemarkt Müller das Gebäude bis 2022.



Die Heldrichs stammen aus Forsthof und alle vier Brüder hatten ein Wirtshaus: Hans die „Schinhammer-Wirtschaft“, Georg den Gasthof „Zur Sonne“, Michael die Wirtschaft in Forsthof und Andreas war in Neukirchen Wirt. Dann gab´s auch noch Wirtshäuser mit dem Namen Heldrich in Rosenberg und Edelsfeld, dies ist aber eine andere Linie.


Zweiter von Links: Georg Heldrich, fünfter von Links: Andreas Heldrich daneben Michael Heldrich und Hans Heldrich  

Walter Heldrich, August 2022

Chronik

Die Gastwirtschaft Hs. Nr. 342 in der Rosenberger Straße/Ecke Basteizufahrt, ehemaliges Zagel´sches Haus erwarb Peter Aman.

  • 1870 Leonhard Schinhammer wurde neuer Besitzer des Gasthofs. Leonhard Schinhammer war Gesellschafter bei der Vorderen Brauhausgesellschaft und stellte sein eigenes Bier her. So verbraute er 1882/83 – 108 hl Malz und 1895/96 – 142 hl Malz.
  • 1898 starb Leonhard Schinhammer, nach ihm führte seine Ehefrau Kunigunde die Gastwirtschaft weiter. Kunigunde Schinhammer übte auch weiterhin das Braurecht aus.
  • 1927 so braute sie in diesem Jahr insgesamt neunmal im Gesellschaftsbrauhaus
  • 1928 erscheinen Johann Leonhard und Margaretha Schinhammer als Brauhausgesellschafter im Grundbuch. In einem Brauereiadressbuch von 1938 inserierten die Schinhammers sogar als Brauerei, wenngleich sie nie ein eigenes Brauhaus hatten.
  • 1953 wurde im August der Gasthof verkauft, vom letzten der Schinhammerfamilie, Christof Schinhammer. Das Anwesen Schinhammer, Rosenberger Straße 30, ging an die Brauerei Landgraf in Weiden, Inhaber Wärtel.
  • 1953 bis 1963 hatte die Brauerei Landgraf den Gasthof an Hans Heldrich verpachtet.
  • 1963 verkaufte die Brauerei Landgraf den Gasthof an das Bekleidungsgeschäft Alfons Heim in Amberg. Und wieder verschwindet in der Sulzbacher Innenstadt, ein Haus, das zum vertrauten Stadtbild gehörte.
  • 1968 wurde der ehemalige Gasthof abgebrochen
  • 1969 ein Neubau des Bekleidungshauses Heim an dieser Stelle errichtet und im Dezember eröffnet
  • ? zog Drogeriemarkt Müller ein, der bis 2022 bestand

alte Bilder und Chronik von Erwin Kraus

Walter Heldrich - Schachtstr. 6 - 92237 Sulzbach-Rosenberg
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