Die Oberpfalz als wichtiger Eisenproduzent im Mittelalter - KulturAS, wo Kultur und Bergbau aufeinandertreffen

2024/2025
wo Kultur und Bergbau aufeinandertreffen
Sulzbach-Rosenberg/Feuerhof
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Klenzeschacht
Ehemaliger MaxhĂŒtten-Arbeitsdirektor Manfred Leiss
"Bergbau, MaxhĂŒtte, Sozialgeschichte"
Die Oberpfalz als wichtiger Eisenproduzent im Mittelalter
(dazu auch Bericht Nr.1 des Geschichtsausschusses des Vereins Deutscher EisenhĂŒttenleute, 1950)

In der Wirtschaft der mittelalterlichen Oberpfalz spielte die Eisenindustrie eine Hauptrolle. AbbauwĂŒrdige Eisenerzlager sind in der Oberpfalz an vielen Orten vorhanden, die bedeutendsten
um Amberg, Sulzbach und Auerbach bis zu einem Eisengehalt von 52 %. Die Erze im weiteren Umfeld wiesen 20-28 % Fe auf. Der Erzbergbau um Kelheim reicht bis in die vorchristliche Zeit zurĂŒck, die dort aufgefundenen Spuren deuten darauf hin, dass die Kelten schon Eisen gewonnen haben. Geschichtsschreiber schlossen nicht aus, dass Karl der Große 787 den Ambergern am Erzberge Rechte verliehen habe und von ihm stamme auch der Plan, Donau und Main durch einen Kanal miteinander zu verbinden. Im oberpfĂ€lzischen Eisenbergbau des Mittelalters kannte man sowohl den Tagebau als auch den Tiefbau. Die landesherrlichen Berglehensbriefe schrieben genau vor, bis zu welcher Tiefe man im Wasser „wĂŒrken“ dĂŒrfe und es wurden bis zu 50“Claffter“ Tiefe genannt  ( 1 Claffter entsprach etwa 2 m). Den Beschreibungen nach umriss das“WĂŒrken“ in den Gruben um Amberg und Sulzbach auch einen Zeitraum von 4-6 Jahren Abbau, weil angeblich nur so viel gefördert wurde, wie man absetzen konnte, wĂ€hrend kleine Gruben durchgehend betrieben wurden.  

Im Jahre 1596 wurde in 11 Amberg/Sulzbacher Gruben 899 Pfund Bergfuder Erze als Jahresleistung gefördert, umgerechnet 2.429.000 Zentner oder 121.000 Tonnen. Diese Fördermengen kann sonst kein Eisenerzbergwerk in Deutschland nachweisen. Die Förderleistung eines Bergknappen je Schicht betrug 11,2 Zentner; die Kosten am Berg erreichten 88 088 Gulden und fĂŒr den Wert der geförderten Erze sind 118 000 Gulden notiert.   
Bei dem enormen Holzbedarf der HĂŒtten und Bergwerke mussten Wege fĂŒr eine geregelte Waldwirtschaft gefunden werden. Es sind auch entsprechende Waldordnungen ĂŒberliefert, trotzdem blieb Raubbau vielerorts nicht aus. Genau so wichtig fĂŒr die Eisenindustrie war die Nutzbarmachung der Wasserkraft. 1270 sind die ersten EisenhĂ€mmer der Oberpfalz urkundlich erwĂ€hnt und Anhaltspunkte fĂŒr die Nutzung der Wasserkraft im HĂŒttenwesen ergeben sich aus den Ortsnamen wie SchmiedmĂŒhlen oder der Namen meist adeliger Betreiber. Um das Wasser der FlĂŒsse und BĂ€che nutzen zu können, wurden QuerdĂ€mme zum Stauen errichtet und das Wasser an die RĂ€der der Hammerwerke geleitet oder kĂŒnstliche Stauanlagen(Hammerweiher) angelegt. Die OberpfĂ€lzer Hammerwerke waren entweder Eisen erzeugende oder Eisen verarbeitende Anlagen, erstere Schien- und StahlhĂ€mmer und letztere Blech-, Draht-, Zain-, Streck- und KugelhĂ€mmer sowie WaffenhĂ€mmer.

Die bei Ausgrabungen 2013 in Amberg entdeckten Spuren deuten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf den Betrieb eines Rennfeuerofens aus der Zeit zwischen 1258 und 1270 hin und mit seiner denkbaren Beschaffenheit kann er bereits als eine Vorstufe hin zum StĂŒckofen und als VorgĂ€nger des spĂ€teren Hochofens gelten.    
Im Dienste der Eisenindustrie standen nicht nur die Berg- und HĂŒttenleute sowie die EisenhĂ€ndler. Man brauchte auch HolzfĂ€ller, Köhler, Fuhrleute und Schiffer. Viele Gewerbe lebten damals von der Eisenindustrie. Um die Erze von den Förderorten zu den HĂ€mmern zu fahren, standen viele Bauern im Dienst der Eisenindustrie, die ihre Felder einfach liegen ließen. Das rief den Zorn der Landesherren hervor und sie ordneten an, dass Erz- Eisen-Kohlefuhren nur noch in der Winterzeit gemacht werden durften. Neben dem Landweg war die Vils seit dem 11.Jahrhundert als Transportweg wichtig.    

Kaiser Ludwig der Bayer, der erste Wittelsbacher auf dem Kaiserthron, trat durch den Hausvertrag von 1329 den grĂ¶ĂŸten Teil des bis dahin als „Bayerischer Nordgau“ bekannten Gebietes seinen Neffen, den Pfalzgrafen bei Rhein ab. Diese gaben ihrem neuen Besitztum zur Unterscheidung von ihren bisherigen LĂ€ndern den Namen Ober-Pfalz, ĂŒberließen ihr aber eine gewisse SelbstĂ€ndigkeit, mit Statthalter, der nach Heidelberg berichten musste. Ludwig VI .aus einem kleinen Herzogtum in Niederbayern stammend, war durch seinen Sieg ĂŒber die Habsburger in der Schlacht von Gammelsdorf (1313) legendĂ€r geworden und den Ruf konnte er in der letzten Ritterschlacht ohne Feuerwaffen 1314 bei MĂŒhldorf gegen die Habsburger festigen.
Der exkommunizierte Ludwig setzte in seiner Konfrontation mit dem machtbewußten, in Avignon regierenden Papst, auf arme Orden wie Minoriten und Franziskaner, die „Occupy- Bewegungen des 14.Jahrhunderts“. Ludwig VI. steht fĂŒr die Einigung Bayerns und die Ausdehnung der Wittelsbacher Macht bis nach Tirol, Holland und Brandenburg.
Reiche Eisenlager wurden ĂŒber- und untertage abgebaut und Eisen in beachtlicher Menge gewonnen, sodass die Oberpfalz fĂŒr gewöhnliches Schmiedeeisen der wichtigste Produzent in Europa wurde. Die oberpfĂ€lzischen BlechhĂ€mmer stellten vor allem Fein- und Bodenbleche her. Die Bleche waren genormt. Diese kamen als Schwarzbleche in den Handel oder wurden verzinnt und als Weißbleche verkauft. Das Verzinnen der Bleche ist eine Erfindung im bayerischen Nordgau, begĂŒnstigt durch die Blecherzeugung der Oberpfalz und die Zinnvorkommen des Fichtelgebirges und datiert von 1300. Ortschaften mit dem Namen Plech (im Jahre 1118 genannt), dĂŒrften von daher kommen. Die Zinnblechindustrie war in NĂŒrnberg, Wunsiedel und spĂ€ter in Amberg stark vertreten und auch zu Sulzbach verzinnte man Bleche.

Die BergstÀdte Amberg und Sulzbach
Die BergstĂ€dte Amberg und Sulzbach ĂŒbten ihren bestimmenden Einfluss in der Oberpfalz durch die 1341 geschlossene Hammereinigung aus, die bis 1650 regelmĂ€ĂŸig erneuert wurde. Eine 1655 von Amberg vorgeschlagene Hammereinigung wurde vom Sulzbacher Herzog abgelehnt, da er seinen Hochofen bei Fichtelberg nicht in die Einigung einbeziehen wollte. Auch die in der Region vorzufindenden Unternehmensformen bedienten sich kapitalistischer Arbeitsweise; die in Regie der Stadt Amberg agierende Gesellschaft warf eine jĂ€hrliche Dividende von 8 % aus.
Amberg als „sĂŒddeutsche Eisenstadt“ dominierte auch den Handel und ĂŒberließ Sulzbach nur den zweiten Platz. Die vorherrschende Stellung verdankte Amberg seiner Lage am Erzberg und an der Vils als wichtigen Wasser- und Transportweg. Kaiser Barbarossa hatte den Ambergern schon 1163 Zollfreiheit durch das ganz römische Reich Deutscher Nation verliehen und auch der Bischof von Passau rĂ€umte Amberg weitgehende Transportrechte ab der Donau bis nach Ulm ein.   
1356 hatte Kaiser Karl IV in der goldenen Bulle das Bergregal den LandesfĂŒrsten ĂŒbertragen, die somit ĂŒber die BodenschĂ€tze verfĂŒgen konnten. Die Landesherren als Besitzer der Gruben verliehen Berglehen an die Gewerken; diese mussten dafĂŒr an die Landesherren den Bergzehnten entrichten, ursprĂŒnglich den 10.KĂŒbel; seit dem Jahre 1450 den 17.KĂŒbel. Dazu kam der Bergzoll nach dem fĂŒr jedes abgefahrene Fuder Erz der KĂ€ufer einen Geldbetrag zu zahlen hatte, also eine Art Umsatzsteuer.
Die Rechte und Pflichten der Bergknappen waren in den Bergordnungen geregelt, die der Hammergewerken und ihrer Arbeiter in den landesherrlichen Hammerbriefen.  Die Hammerzinsen betrugen im 14.Jahrhundert 12 rheinische Gulden, spĂ€ter 16-24 Gulden. Die Hammermeister ĂŒbten fĂŒr einfache Vergehen auch die Gerichtsbarkeit aus. In der Feinblecherzeugung und hier insbesondere fĂŒr die Herstellung verzinnter Bleche besaß die Oberpfalz Jahrhunderte lang das europĂ€ische Monopol.

Ende des 16.Jahrhunderts beschĂ€ftigte der oberpfĂ€lzische Eisenerzbergbau 1000 Bergleute. Der erste oberpfĂ€lzische Hochofen in Pielenhofen/Naab in 1505,-dem Typ nach ein Blasofen/Stuckofen-  geht auf die Pfalzgrafen von Neuburg Sulzbach zurĂŒck und 1602 wurden im Fichtelgebirge Hochöfen nach Siegener Bauart errichtet.
Auf Schien- und StabhĂ€mmern sowie BlechhĂ€mmern wurde das gewonnene Eisen verarbeitet. Im Jahre 1387arbeiteten in der Oberpfalz 125 SchienhĂ€mmer und 22 BlechhĂ€mmer; 1545 waren 119 SchienhĂ€mmer und 82 BlechhĂ€mmer in Betrieb. Das GeschĂ€ft mit verzinnten Blechen florierte und fĂŒhrte 1533 zur GrĂŒndung der „Amberger Zinnblechhandelsgesellschaft“, die infolge Überschuldung 1631 aufgeben musste; die Nachfolgegesellschaft war mit ihren Produktionskosten ebenfalls nicht wettbewerbsfĂ€hig und scheiterte auch wegen der Entlassung von FachkrĂ€ften protestantischen Glaubens, die nach Sachsen ausgewandert waren.
Der Dreißig jĂ€hrige Krieg war fĂŒr die  Oberpfalz verheerend und verwĂŒstete Bergbau und Eisenindustrie. Die besonders von 1633-1634 grassierende Pest raffte ein Drittel der Bevölkerung hinweg. Nach dem Aderlass des langen Krieges und den Religionsstreitigkeiten war eine Verarmung und Verödung eingetreten, die wirtschaftliche Initiativen unterband. Die Landesherren verkĂŒndeten  deshalb 1690 einen Erlass zur Belebung des Bergbaus und erteilten ab 1691 SchĂŒrffreiheit.
Bleibt festzustellen, dass die Eisenindustrie der Oberpfalz im Mittelalter ein Wirtschaftsfaktor ersten Ranges war. 1475 sollen 12.000 Menschen unmittelbar von dieser abhĂ€ngig gewesen sein und indirekt 25 % der Wohnbevölkerung. Insoweit ist die vergleichende Bezeichnung „Ruhrgebiet des Mittelalters“ eine angemessene.


© Manfred Leiss
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